Wie im vorletzten Beitrag erwähnt, schreibe ich heute über einen meiner schlimmsten Tage im Leben.

Fangen wir ganz von vorne an. Mein Mann und ich waren gerade mit dem Abendbrot fertig, als auf einmal ganz viel Blaulicht vor der Tür stand. Da auch Feuerwehr dabei war, wollten wir im Hausflur nachsehen, was geschehen war. Wir sahen nur viele Sanitäter und Feuerwehrmänner die Treppen hochlaufen. Dann sah ich meine Nachbarin von ganz oben auf der Treppe sitzen. Sie hat total gezittert und ich gleich mit. Mich ergreifen Emotionen immer gleich mit. Nachdem ich ihr ein Glas Wasser gereicht hatte, erzählte sie mir, dass der Nachbar bewusstlos auf der Treppe gelegen hat und sie gerade versucht hatten Erste Hilfe zu leisten.

Ich war starr vor Schock. So viele Gedanken gehen einem durch dem Kopf. Nur noch ein paar Treppen und er wäre zuhause gewesen. Sie haben ihn nur durch Zufall entdeckt keiner weiß wie lange er im Treppenflur lag. Meine Nachbarin konnte/durfte nicht mehr nach oben. Wir standen nun zu zweit unten und haben gehofft, dass die Rettungskräfte helfen können.

Ich hörte ein paar Mal die Frau nach ihrem Mann rufen. Oh Gott, das ging mir durch Mark und Bein. Wo ich das hier schreibe, hallt es immer noch in meinem Kopf. Nach über 20 min kam ein Feuerwehrmann runter, als er zurück kam, hatte er ein weißes Tuch in der Hand. Das war wie in einem Kinofilm. Auch die Polizei kam mit einen roten Band nach oben. Uns war klar, er hat es leider nicht geschafft. Wir kannten sie kaum, aber mir ging es wirklich sehr nahe. Ich fing sofort an zu heulen. Ich bin eh sehr nah am Wasser gebaut. Man versetzt sich gleich in die Lage.

Einfach nur grauenvoll. Die Freunde von dem Nachbar kamen noch dazu. Sie durften auch nicht nach oben. Die Freundin war total aufgelöst. Sie fragte mich nach Beruhigungstabletten. Ich hatte nur noch ein paar pflanzliche Tabletten da, ich habe ihr alle mitgegeben. Nach über einer Stunde durfte meine Nachbarin wieder nach oben zu ihrer Wohnung. Noch eine weitere Stunde und der Nachbar wurde abgeholt. Es ist jetzt so ein komisches Gefühl, das Treppenhaus zu betreten.

Zwei Tage später haben wir seine Frau getroffen. Ich habe sie gleich weinend in die Arme genommen und mein tiefstes Mitgefühl ausgedrückt. Sie sah sehr fertig aus. Sie bedankte sich für die Beruhigungstabletten und fragte, ob sie die wirklich alle behalten darf. Oh man, mein Herz hat geblutet. Ich wünsche ihr ganz viel Kraft, für sich und ihre kleine Tochter.

Ich hoffe ich konnte mit meiner Trauerkarte mein Beileid noch bestärken. Dieser tragische Tag wird mir noch lange in den Knochen stecken.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag. Geniesse jeden einzelnen Tag!! Das Leben ist viel zu unberechenbar, um es nicht zu geniessen.
Melly